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Aufbruchsstimmung bei tiefer Geothermie in Baden-Württemberg

Neue Projekte könnten Erdwärme als wichtiges Standbein für die Wärmewende etablieren/ Webseminar gibt Einblicke in Projekte und Technologie

Das Potenzial der Geothermie ist groß: Rund zehn Prozent des deutschen Energiebedarfs können geothermisch gedeckt werden. In Baden-Württemberg sind die Bedingungen mit dem Oberrheingraben und Oberschwaben besonders gut. Mehrere Projekte treiben derzeit die Nutzung der Technologie voran. Insbesondere Wärmenetze, die an fossile Kraftwerke angeschlossen sind, könnten so grüner werden. Darauf weist die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg hin. Wie man die tiefe Geothermie erfolgreich nutzt, zeigt vor allem ein Blick zum Großraum München. Dort wird die Technologie bereits seit 20 Jahren eingesetzt. Ein Webseminar der Plattform EE BW beleuchtet am 26. November 2020, wie die Erfahrungen nahe der bayerischen Landeshauptstadt sind und welche Planungen und Visionen es im Südwesten gibt.

In einigen Regionen Baden-Württembergs gibt es sehr gute geologische Voraussetzung für die Nutzung der tiefen Geothermie. „Diese Potenziale gilt es zu nutzen, um bei der klimafreundlichen Wärmeversorgung voran zu kommen. Bislang fehlen Konzepte dazu, wie die bislang von fossilen Kraftwerken versorgten Fernwärmenetze dekarbonisiert werden können. Am Oberrhein kann die tiefe Geothermie der Schlüssel hierfür sein“, sagt Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW). Auch neu zu planende Wärmenetze können mit geothermalen Wärmequellen versorgt werden.

Mit der im März 2020 beschlossenen „Roadmap Tiefe Geothermie“ strebt die baden-württembergische Landesregierung eine stärkere Nutzung der Potenziale hierzulande an. Mit verschiedenen flankierenden Maßnahmen, von Informationsbroschüren über Exkursionen bis hin zu Fachworkshops, sollen Hemmnisse identifiziert und abgebaut werden. „Die begleitende Unterstützung des Landes ist wichtig und hilfreich für die Projektumsetzung“, erklärt Lutz Stahl, Vorstandsmitglied der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg.

Neue Geothermie-Projekte im Land

Denn es tut sich bereits einiges im Südwesten. Mehrere Unternehmen haben konkrete Maßnahmen für die Realisierung von Erdwärmeprojekten am Oberrhein in die Wege geleitet. Die Deutsche Erdwärme GmbH aus Karlsruhe hat aktuell drei Projekte in Planung. Am Projektstandort in Graben-Neudorf soll 2021 die erste Bohrung vorgenommen werden. Die EnBW hat in Zusammenarbeit mit der MVV die Aufsuchungslizenz für Erdwärme in einem Erlaubnisfeld im Dreieck Mannheim-Heidelberg-Speyer bei der zuständigen Landesbehörde beantragt. Die EnBW betreibt seit mehr als 10 Jahren eine Geothermieanlage in Bruchsal zusammen mit den dortigen Stadtwerken. Die Anlage dient zur Stromerzeugung und für die Wärmeversorgung einer nahe gelegenen Polizeikaserne.

Im Freiburger Raum tritt jetzt das Unternehmen Badenova an, um Erdwärmequellen ausfindig zu machen und für die Fernwärmenutzung zu erschließen. Darüber hinaus plant auch das Karlsruher Institut für Technologie in Zusammenarbeit mit der EnBW den Bau einer eigenen Forschungsanlage am Campus Nord. KIT und EnBW sind hier gemeinsam Inhaber der Geothermielizenz. „Die technologische Entwicklung bei der tiefen Geothermie und die strengen Sicherheitsauflagen sind dazu geeignet, dass die Projekte ohne negative Auswirkungen für Umwelt und Anwohner realisiert werden können“, ist Stahl überzeugt.

Die Plattform EE BW begleitet als Dachverband der Erneuerbaren-Branche im Südwesten diese Projekte und informiert interessiertes Fachpublikum und die Öffentlichkeit zu den Chancen der tiefen Geothermie. „Insbesondere die ab dem nächsten Jahr zur Wärmeplanung verpflichteten Kommunen in Baden-Württemberg sollten sich mit den Möglichkeiten der tiefen Geothermie auseinandersetzen, wenn sie am Oberrheingraben oder in Oberschwaben liegen“, empfiehlt Franz Pöter. „Zusammen mit der Solarthermie und der Bioenergie ist die Geothermie die erneuerbare Energie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung.“

Webseminar informiert über aktuellen Stand

Am Donnerstag den 26. November ab 11:00 Uhr veranstaltet die Plattform EE BW ein gut einstündiges Webseminar zur erneuerbaren Wärmeversorgung mit tiefer Geothermie. Darin beleuchtet sie die aktuelle Entwicklung am Oberrhein sowie die Erschließungskonzepte hinsichtlich der dort gegebenen geologischen Voraussetzungen und wirft auch einen Blick nach München, wo sich die Technologie bereits seit zwei Jahrzehnten etabliert hat und ein wesentlicher Bestandteil zur Erreichung der Klimaziele geworden ist. 

Das Webseminar geht von 11:00 bis 12:15 Uhr und ist kostenfrei. Programm und Anmeldung: https://erneuerbare-bw.de/de/termine/

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