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Gas muss grün werden

Plattform Erneuerbare Energien fordert Quote für grünen Wasserstoff und Biogas im Erdgasnetz

Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) fordert die Landespolitik auf, sich verstärkt für die Erzeugung grünen Wasserstoffs aus regenerativen Energiequellen wie Wind und Solar einzusetzen. Damit können Dekarbonisierung und Flexibilität in der Wärme- und Stromversorgung vorangebracht werden. Eine gesetzlich festgelegte und über die Jahre ansteigende Quote ist das Mittel der Wahl, um Erdgas durch grüne Gase zu ersetzen, und dabei zugleich auf die bestehende Infrastruktur der Gasverteilung zurückzugreifen.

Mehr Engagement für grünes Gas ist auch im Südwesten Deutschlands nötig. Insbesondere im Wärmesektor, in dem durch das Erneuerbare-Wärme-Gesetz bereits die richtige Richtung eingeschlagen wurde, muss die Dekarbonisierung weiter vorangetrieben werden. Grünes Gas, das Erdgas beigemischt und über das bestehende Gasnetz verteilt werden kann, bietet hier die Möglichkeit, einen weiteren erneuerbaren Energieträger zur Wärmegewinnung bereitzustellen. So kann Wasserstoff – neben der direkten Anwendung in der Industrie, im (Schwerlast-)Verkehr oder in Brennstoffzellenbussen – zum Beispiel auch im Heizungskeller Einzug finden. Einige Pilotprojekte in Norddeutschland setzen dies schon um. Aufbereitetes Gas aus Biogasanlagen wird seit Jahren ebenfalls direkt in das bestehende Gasnetz eingespeist, 2018 entsprach dies etwa einem Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs.

„Aus Klimaschutzgründen wird es für die Zukunft entscheidend sein, den Anteil von konventionellem Erdgas schnell zu reduzieren. Nur mit grünem, regenerativ erzeugtem Gas ist die Gaswirtschaft ein wirklicher Partner für die Energiewende“, so Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform EE BW. Bei konventionellem Erdgas werden Treibhausgase nicht nur bei der Verbrennung in Blockheizkraftwerken oder Gaskesseln emittiert, auch die hohen Emissionen während Förderung und Transport müssen berücksichtigt werden, insbesondere bei Fracking-Gas aus den USA.

Sektorenkopplung mit grünem Wasserstoff vorantreiben

Aus erneuerbarem Strom hergestellter grüner Wasserstoff bringt zudem Strom- und Gasnetz enger zusammen, aus Sicht der Plattform EE BW neben dem Ausbau von Wärmenetzen ein Schlüsselelement zur Energiewende. Auf diese Weise würde unter Rückgriff auf bestehende Infrastrukturen die Flexibilität im Energiesystem erhöht und eine zusätzliche Speichermöglichkeit geschaffen.

„Wir benötigen sowohl im Stromsektor als auch im Verkehrs- und Gebäudesektor mehr erneuerbare Energien“, betont Franz Pöter, Geschäftsführer der Dachorganisation der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg. „Die schnelle Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Gasnetz wird eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der nächsten Phase der Energiewende bis 2030 und darüber hinaus im zukünftigen System der vollständigen regenerativen Energieversorgung spielen.“

Der schnelle Aufbau von Kapazitäten für regeneratives Gas zum Beispiel in Form von grünem Wasserstoff ist auch für die Versorgungssicherheit und die schnelle Fortsetzung des Kohleausstiegs im Süden Deutschlands von existenzieller Bedeutung. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Windparks und Solarkraftwerke im Land weniger Strom ins Stromnetz einspeisen. Die dafür als Ersatz vorgesehenen Gaskraftwerke dürfen aus Sicht der Plattform EE BW keine reinen fossilen Erdgaskraftwerke sein, sondern müssen langfristig mit grünem, regenerativ hergestelltem Gas betrieben werden.

Verpflichtende Quote für grünen Wasserstoff und Biogas ab 2021

Deshalb fordert die Plattform Erneuerbare Energien die Landesregierung dazu auf, über den Bundesrat dazu beizutragen, den Anteil von grünem Gas zu erhöhen. Die Einführung einer verpflichtenden Quote erscheint dafür als adäquates Instrument. Schon ab dem Jahr 2021 sollte nach Ansicht der Plattform eine anspruchsvolle Quote für Gasversorger festgelegt werden, die dann über die Jahre stark ansteigt. Die Plattform EE BW wird den Dialog mit Politik und Gaswirtschaft suchen, um ehrgeizige, aber machbare Ziele zu erreichen.

Wenn jedes Erdgas verkaufende Unternehmen grünes Gas zu einem gewissen Prozentsatz anbieten muss, werden marktwirtschaftliche Strukturen schnell dazu führen, dass das Angebot von grünem Wasserstoff, auch unter Nutzung von Importen und bislang abgeregeltem Überschussstrom in Norddeutschland, steigt. Auch ist durch technische Entwicklungen eine Senkung der Kosten zu erwarten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier betonte zuletzt zudem, die Biogaskapazitäten konstant halten zu wollen, was die Plattform Erneuerbare Energien begrüßt. Eine Quote für grünes Gas könnte die Wirtschaftlichkeit der direkten Einspeisung von Biogas in das Gasnetz erhöhen.

Mehr Wasserstoff im Erdgasnetz ist technisch möglich 

Durch die stetige Erhöhung der Quote wäre zudem sichergestellt, dass wegen des höheren Wasserstoff-Gehalts gegebenenfalls notwendige Anpassungen an Infrastruktur und technischen Anlagen auf Verbraucherseite flächendeckend vorgenommen würden. Dies muss zugleich regulatorisch begleitet und gefördert werden. Verschiedene Pilotprojekte in der EU zeigen aber auch, dass Beimischungen von bis zu 20 Prozent Wasserstoff in bestehende Gasverteilnetze für Privathaushalte möglich sind. Auch die erfolgte Umstellung von Stadtgas auf Erdgas in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zeigt, dass technische Anpassungen aufgrund der Veränderung der Gaszusammensetzung möglich sind.

Dieses Quotenmodell könnte alle demokratischen Parteien im Landtag, die den Klimawandel nicht aktiv leugnen, von den GRÜNEN über die CDU und die SPD bis hin zur FDP, hinter einer solchen Forderung nach einer Erhöhung des Anteils grüner Gase vereinen. Noch in diesem September werden die Weichen für Deutschlands Energie-Zukunft gestellt – grünes Gas muss dabei einen festen Platz haben.

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