22.01.2026 | Biogastage 2026 in Bad Buchau: Biogas als Schlüssel für flexible Energiesysteme in Baden-Württemberg

Die Biogastage in Bad Buchau Anfang Januar sind der traditionelle Jahresauftakt der Biogasbranche in Baden-Württemberg.

Biogastage 2026 in Bad Buchau, © Dimitri Vedel-Wackerhagen

Biogastage 2026 in Bad Buchau, © Dimitri Vedel-Wackerhagen

Die zweitägige Veranstaltung bringt Betreiber und Fachleute aus Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Politik und Kommunen zusammen. Veranstaltet werden sie vom Fachverband Biogas e.V. gemeinsam mit der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW). Im Fokus stand die Zukunftsfähigkeit von Biogasanlagen im Zusammenspiel mit Stromnetzen, Speichern und anderen erneuerbaren Energien.

Gleich zum Auftakt erhielten die über 100 Teilnehmenden politische Impulse: Eine Videobotschaft von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (MdL) in Kombination mit den vertiefenden Ausführungen von Alexander Möndel aus dem Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg vor Ort gaben einen guten Überblick über die Perspektiven für Biogas. Der Energieträger spielt nach Ansicht des Ministeriums eine zentrale Rolle: „Die Landwirtschaft braucht Biogas, die Bioökonomie setzt auf Biogas und bei bei der Bereitstellung von erneuerbarem Strom oder Wärme und Biomethan ist Biogas ein verlässlicher Partner“, betonte Möndel. Baden-Württemberg ist sich dieser Potentiale bewusst und hofft auf ein Signal aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das bislang weiterhin auf fossile Gaskraftwerke setzt.

Biogas als Speicherkraftwerk
Von dem neu gewählten Präsidenten des Fachverbandes Biogas, Thomas Karle, folgte eine Einschätzung zur Zukunftsfähigkeit der Branche. Karle sieht die Biogasanlagen als umfassende Speicherkraftwerke. „Mich erreichen viele positive Signale auf europäischer oder auch regionaler Ebene“, betonte Karle. Was fehlt sei die Bundesebene, die entscheidend ist für den wirtschaftlichen Betrieb von Biogasanlagen.

Fachbeiträge zur Einspeisung von Biomethan und zu Effizienzsteigerungen durch reversible Kraftwerke rundeten den ersten Tag ab. Am zweiten Veranstaltungstag setzte sich der fachliche Fokus fort: Tilo Kurtz aus dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft erläuterte die Bedeutung von Biogasanlagen in der künftigen Energieversorgung Baden-Württembergs. Er wies darauf hin, dass nur mit der Bereitschaft zur Flexibilisierung und Effizienzsteigerung das volle Potential von Biogas ausgeschöpft werden könne. Ein Weiterbetrieb wie bisher sei nicht möglich. Das erlaube der komplexe Energiemarkt nicht. Die anschließenden Vorträge zu Stromspeicher und Hybridkraftwerken unterstrichen diese Aussage.

Biogas als flexibelste erneuerbare Energie
Auf großes Interesse stieß die Präsentation von Jörg Dürr-Pucher, dem Vorsitzenden der Plattform Erneuerbare Energien BW. Unter dem Titel „SyNEA – Kleine Hybridkraftwerke für Biogasanlagen und die Rolle von Stromnetzen für den Weiterbetrieb“ erläuterte er, wie Biogasanlagen zu zentralen Bausteinen eines zunehmend erneuerbaren Energiesystems weiterentwickelt werden können.

SyNEA steht für das Projekt „Synchronisation von Netzausbau und Ausbau Erneuerbarer Energien“. Untersucht wird, wie Netzverknüpfungspunkte effizienter genutzt, Trafostationen zu Knotenpunkten moderner Energiesysteme weiterentwickelt und Netzausbaukosten gesenkt werden können. Dazu gehören Cable Pooling, die Überbauung bestehender Netzanschlüsse sowie der systemische Einsatz von Batteriespeichern.

Vor dem Hintergrund des starken Ausbaus von Wind- und Solarenergie stoßen bestehende Netzverknüpfungspunkte zunehmend an ihre Grenzen. Dürr-Pucher macht deutlich, dass nicht-volatile erneuerbare Energien wie Biogas und Wasserkraft auch künftig eine tragende Rolle spielen werden – insbesondere als flexible Ergänzung zu wetterabhängigen Energiequellen.

Hybridkraftwerke und intelligente Netznutzung
Biogasanlagen böten ideale Voraussetzungen, um zu sogenannten „kleinen Hybridkraftwerken“ weiterentwickelt zu werden: In Kombination mit Photovoltaik, Batteriespeichern sowie Wärme- und Gasspeichern können sie Strom bedarfsgerecht erzeugen, speichern und ins Netz einspeisen – vor allem auf der dezentralen 20‑kV‑Ebene.

„Biogas bleibt das flexibelste Bindeglied zwischen Strom-, Wärme- und Gasnetzen“, betonte Dürr-Pucher. „Wenn wir Erzeugung, Speicherung und Netze intelligent zusammendenken, können Biogasanlagen einen entscheidenden Beitrag zu Versorgungssicherheit, regionaler Wertschöpfung und Klimaschutz leisten.“

Hintergrund

Treffpunkt der Branche

Die Biogastage bieten eine zentrale Plattform für Information, Diskussion und Vernetzung. Sie richten sich an Anlagenbetreiber, Planer, Kommunen, Netzbetreiber sowie politische Entscheidungsträger, die die Energiewende aktiv mitgestalten wollen. Die Biogastage fanden dieses Jahr bereits zum 20. Mal statt.

 

Zurück
X

Wir verwenden Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige sind notwendig, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern.

Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten. Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern.

Einstellungen Akzeptieren AblehnenImpressumDatenschutz