Am 29 Januar 2026 veranstaltete die PEE BW ein Webseminar zum Thema „Tiefe Geothermie verstehen“ mit Susanne Weber. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und brachte eine breit gefächerte Teilnehmerschaft aus Kommunen, Verwaltung, Energiewirtschaft, Beratung, Wissenschaft und Politik zusammen. Vertreten waren unter anderem kommunale Verwaltungen und Energieagenturen aus mehreren Bundesländern, Landes- und Bundesinstitutionen, Forschungseinrichtungen sowie zahlreiche Unternehmen der Energie- und Geothermiebranche. Das breite Spektrum der Teilnehmenden verdeutlichte eindrucksvoll die hohe Relevanz der Tiefengeothermie für die Wärmewende.
Zu Beginn des Webseminars wurde die Bedeutung der Wärmewende für den Klimaschutz eingeordnet. Da die Wärmeversorgung mehr als die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs verursacht, stehen Kommunen und Stadtwerke unter erheblichem Transformationsdruck. Die gesetzlich vorgegebenen Dekarbonisierungsziele sowie das Wärmeplanungsgesetz schaffen hierfür einen verbindlichen Rahmen und erfordern langfristig tragfähige, verlässliche Wärmelösungen.
Vor diesem Hintergrund wurde die Tiefe Geothermie als Schlüsseltechnologie für Wärmenetze vorgestellt. Sie ist grundlastfähig, unabhängig von Wetter und Tageszeiten und lokal verfügbar. Besonders hervorgehoben wurden ihre hohe Versorgungssicherheit, die Möglichkeit langfristig stabiler Wärmepreise sowie ihr Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Bei geeigneten geologischen Bedingungen kann sie einen dauerhaften, klimaneutralen Betrieb ermöglichen und damit eine zentrale Rolle in kommunalen Wärmestrategien übernehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem aktuellen Stand der Tiefengeothermie in Deutschland und Baden‑Württemberg. Bundesweit befinden sich zahlreiche Anlagen in Betrieb, im Bau oder in Planung; auch Baden‑Württemberg weist trotz bislang weniger Bestandsanlagen ein erhebliches Ausbaupotenzial auf. Dabei wurde deutlich, dass die Technologie zunehmend von der Pilot‑ in die Umsetzungsphase übergeht.
Detailliert erläutert wurde zudem der typische Projektentwicklungsprozess: von der ersten Potenzialabschätzung über strategische Vorüberlegungen und kommunale Entscheidungsprozesse bis hin zu standortspezifischen Untersuchungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Untergrunderkundung mittels 3D‑Seismik, mit deren Hilfe geeignete Thermalwasserreservoire identifiziert und wirtschaftliche Risiken vor der Bohrung reduziert werden können. Ziel ist eine langfristige, nachhaltige Nutzung des Untergrunds – primär zur Wärmeerzeugung, in geeigneten Fällen auch zur Stromproduktion.
Ein eigener Themenblock befasste sich mit den Sicherheitsaspekten der Tiefengeothermie. Vorgestellt wurden das kontinuierliche seismische und hydrogeologische Monitoring sowie das bewährte Multi‑Barrieren‑Konzept mit mehrwandigem Bohrungsaufbau aus Stahl und Zement. Diese technischen Standards dienen dem Schutz von Grundwasser und Umwelt und sind essenziell für einen sicheren Betrieb. Transparenz, frühzeitige Information und ein offener Dialog mit der Öffentlichkeit wurden als zentrale Faktoren für die gesellschaftliche Akzeptanz hervorgehoben.
Abschließend wurde der Blick auf die verbesserten Rahmenbedingungen für die Tiefengeothermie gerichtet. Mit dem im Dezember 2025 verabschiedeten Geothermie‑Beschleunigungsgesetz sowie neuen Instrumenten zur Absicherung des Fündigkeitsrisikos verbesserten sich Genehmigungsprozesse und Investitionsbedingungen deutlich. Diese Entwicklungen erleichtern insbesondere Kommunen und Stadtwerken den Einstieg in die Tiefengeothermie.
Das Webseminar machte deutlich, dass die Tiefe Geothermie eine technisch ausgereifte, sichere und zukunftsfähige Säule für die klimaneutrale Wärmeversorgung darstellt – auch und gerade in Baden‑Württemberg.