05.01.2022 | Baden-Württemberg: 25 neue Windenergieanlagen im Jahr 2021 errichtet – Ausbau geht nur langsam voran

Solar- und Windenergieanlagen im Südwesten erzeugten im vergangenen Jahr weniger Ökostrom

Windenergieanlegen in Gnannenweiler ©BWE / SM

Windenergieanlegen in Gnannenweiler ©BWE / SM

Plattform EE BW: Beim Ausbau der Erneuerbaren den Turbo zünden.

Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg geht voran, jedoch nicht mit dem erforderlichen Tempo. Vorläufige Zahlen zeigen: Im Jahr 2021 lag der Zuwachs bei 25 neuen Windenergieanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 111 Megawatt. Das sind zwar 15 Anlagen mehr als im Vorjahreszeitraum. Bis 2030 müssen jedoch im Durchschnitt pro Jahr rund 100 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 530 Megawatt errichtet werden. Darauf weist die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) hin. „Bei der Energiewende im Südwesten geht es nur mit Trippelschritten voran anstatt mit Siebenmeilenstiefeln“, kritisiert Jörg Dürr-Pucher von der Plattform EE BW. Der Ökostromanteil aus Photovoltaik- und Windenergieanlagen ging im Jahr 2021 sogar um 8,6 Prozent zurück. Grund waren die schlechten Wetterverhältnisse mit wenig Wind im Land.

Ein Blick auf die errichteten Erneuerbaren-Energien-Anlagen im Südwesten zeigt: Der Ausbau der Photovoltaik in Baden-Württemberg konnte im vergangenen Jahr leider nicht mehr gesteigert werden. Bis Ende 2021 waren 595 Megawatt installierte Leistung hinzugebaut worden – rund 20 Megawatt weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch Nachmeldungen können sich die vorläufigen Zahlen aber noch etwas steigern. Viel mehr als im Jahr 2020 wird es aber nicht werden, schätzt Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform EE BW. Nötig sind künftig durchschnittlich fast 2.000 Megawatt pro Jahr bis 2030. Bei Wasserkraftwerken, Biogas- und Holzenergieanlagen sowie der Geothermie gab es 2021 keinen nennenswerten Ausbau. Dabei sind gerade diese nicht-volatilen Erneuerbaren für die Versorgungssicherheit relevant und sollten ebenfalls zugebaut werden.

Vor allem die Windenergie im Südwesten macht Politik und Fachleuten Sorgen. Der Trend geht zwar in die richtige Richtung. Für eine erfolgreiche Energiewende ist das aber deutlich zu wenig. Um die Ziele zu erreichen und den Stillstand der vergangenen Jahre auszugleichen, braucht es künftig einen dynamischen Zubau: In diesem Jahr mindestens 50 neue Windenergieanlagen. Bis 2025 muss der Zubau auf 100 Anlagen pro Jahr steigen und auch danach muss es weitere Zuwächse geben. Die Berechnung geht von einem Leistungszubau von aktuell vier auf rund fünf Megawatt pro Windenergieanlage aus.

Solar- und Windstromerzeugung ging zurück

Ein weiterer Dämpfer kommt aus der erneuerbaren Stromerzeugung: Photovoltaik- und Windenergieanlagen haben im Jahr 2021 im Versorgungsgebiet des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW 8,6 Prozent weniger Strom erzeugt als 2020. Das Gebiet ist fast identisch mit Baden-Württemberg, daher geben die Zahlen auch eine verlässliche Aussage über den Anstieg der Solarstrom- und Windenergieerzeugung im Land. Der Rückgang liegt an den ungünstigen Wetterverhältnissen im vergangenen Jahr mit wenig Wind in den ersten Monaten.

Wind- und Solarenergie sind die Eckpfeiler beim Ökostromausbau und daher besonders wichtig. Die neuen Zahlen zur Stromerzeugung stammen aus der Datenplattform Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Im Gebiet der TransnetBW produzierten Photovoltaikanlagen im vergangenen Jahr 6,16 Terawattstunden (TWh). 2020 waren es noch 6,24 TWh. Windenergieanlagen kamen 2021 zusammen auf eine Erzeugung von 2,4 TWh (2020: 3,13 TWh).

Studie zeigt Ausbaubedarf bis 2040

An dem Ausbau der Erneuerbaren führt daher kein Weg vorbei, zumal Atom- und Kohlekraftwerke sukzessive abgeschaltet werden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg zeigt, wie viel Erneuerbare für eine komplett klimaneutrale Energieversorgung erforderlich sind: Die installierte Leistung zur Erzeugung von erneuerbarem Strom muss sich bis 2040 auf mindestens 52 Gigawatt verfünffachen. Dafür ist beim Ausbau eine erheblich höhere Geschwindigkeit als in den vergangenen zehn Jahren erforderlich.

Die Photovoltaik und die Windenergie sollen im Jahr 2040 zusammen rund 70 Prozent des bis dahin gestiegenen Bruttostromverbrauchs in Baden-Württemberg decken. Um das zu erreichen, muss die installierte Leistung der auf Dächern, Fassaden und im Freiland installierten Photovoltaik-Module bis 2040 mehr als verfünffacht werden, von heute knapp sieben auf rund 39 Gigawatt. Bei der Windenergie vergrößert sich die nötige installierte Leistung bis 2040 um den Faktor sieben von heute 1,6 Gigawatt auf dann 11,5 Gigawatt.

Regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmen anpassen

Um den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2040 sicherzustellen, sind zahlreiche Nachbesserungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens notwendig. Unverzichtbar für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor sind angepasste Rahmenbedingungen. Die Plattform EE BW schlägt daher eine praxisgerechte Ausgestaltung von Ausschreibungen und des Genehmigungs- und Planungsrechtes vor. So müssten feste Fristen definiert und eingehalten, Vorgänge digitalisiert und Artenschutzvorgaben vereinfacht sowie rechtssicher gestaltet werden. Bei Abwägungen solle zudem dem Klimaschutz mehr Gewicht zukommen. Besonders wichtig ist nach Meinung der Plattform EE BW, auch ausreichend Flächen für den Ausbau der regenerativen Energien bereitzustellen. Allein für die Windenergie sind zwei Prozent der Südwestfläche nötig.

Die Studie finden Sie hier.

Zu den Zahlen:
Die Zahlen zum Windenergieausbau 2021
Die Zahlen zum Photovoltaikausbau 2021
Die Zahlen 2021 zum Gebiet TransnetBW
Die Zahlen 2020 zum Gebiet TransnetBW

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