15.04.2026 | Energieversorgung: 15 Vorschläge für ein zukunftsfähiges Baden-Württemberg

Erneuerbaren-Branchenverbände legen Maßnahmenkatalog für die neue Landesregierung vor

PEE BW und ihre Mitgliedsverbände fordern einen konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien

Baden-Württemberg muss in der Energiepolitik künftig mutiger sein. Zu Beginn der Koalitionsverhandlungen im Land haben die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und ihre sieben Mitgliedsverbände daher einen umfassenden Maßnahmenkatalog mit 15 Punkten vorgelegt. Im Mittelpunkt stehen ein beschleunigter Ausbau von Windenergie und Photovoltaik, der Ausbau klimaschonender Wärme, neue Impulse für Elektromobilität und Industrie sowie eine bessere Verzahnung von Strom, Wärme und grünen Gasen. So soll das Land seine Wirtschaftskraft sichern, die Abhängigkeit von Energieimporten senken und mehr Klimaschutz erreichen. Das Grundsatzpapier zur Energiepolitik für die nächste Legislaturperiode richtet sich an die neue Landesregierung und bündelt Vorschläge aus Solar-, Wind-, Biogas-, Holz-, Wasserkraft- und Geothermiebranche. Es wurde am 11. April 2026 an die Abgeordneten der demokratischen Parteien im Landtag überreicht.

„Baden-Württemberg kann seine wirtschaftliche Stärke nur sichern, wenn Energieversorgung, Industriepolitik und Klimaschutz konsequent zusammen gedacht werden“, sagt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der PEE BW. „Unser Maßnahmenkatalog zeigt die Richtung auf, wie die neue Landesregierung hier effizient und wirkungsvoll vorangehen kann. Baden-Württemberg muss auch beim Ausbau der Erneuerbaren Energien auf einen Spitzenplatz wollen.“

Windenergie und Photovoltaik konsequent ausbauen

Das Papier mit dem Titel „Resilienz und Wirtschaftskraft für Baden-Württemberg“ wurde an die Landtagsabgeordneten aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD verschickt. Im Zentrum der Vorschläge steht ein deutlich beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Zubau von Windenergie und Photovoltaik sowie der übrigen Erneuerbaren Energien soll dauerhaft auf einem Niveau von deutlich über 4.000 Megawatt pro Jahr erhöht werden.

Zugleich fordert die PEE BW, den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern stärker zu synchronisieren, um den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen. Nur so ließen sich Abregelungen vermeiden, Systemkosten begrenzen und Versorgungssicherheit erhöhen.

Wärme unabhängig von Öl und Gas machen

Ein weiterer Schwerpunkt im Papier ist die Wärmewende. Große Wärmepumpen, tiefe Geothermie und der konsequente Ausbau der Fernwärme sollen dazu beitragen, den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 möglich zu machen und zugleich den Bedarf an importiertem Gas und Heizöl zu senken. Für öffentliche Gebäude verlangen die Verbände zusätzliche Verbindlichkeit: Die Heizungsumstellung soll dort schneller vorangehen, weil die öffentliche Hand Vorbildfunktion habe und Quartierslösungen anstoßen könne.

Biogasanlagen sollen stärker flexibilisiert werden, um Stromspitzen besser abdecken zu können. Die Abwärme müsse konsequent in Wärmenetze eingespeist werden und Anlagenbetreiber sollten mehr Biogas zu Biomethan für das Gasnetz umwandeln können.

Der ländliche Raum steht ebenfalls im Fokus. Dort werden nach Einschätzung der Verbände ein Großteil der neuen Wind- und Solarparks entstehen. Diese Standorte sollen nicht nur Strom liefern, sondern auch regionale Wertschöpfung sichern. Gleichzeitig sollen kleine und große Hybridkraftwerke entstehen, die Wind, Sonne, Speicher, Wasserkraft oder Biogas kombinieren und so den Netzausbau entlasten. Damit Projekte schneller umgesetzt werden können, fordert die Plattform weniger Bürokratie, klare Genehmigungsfristen, digitalisierte Verfahren und praxistauglichere Vorgaben bei Umweltgutachten und Artenschutz.

Verkehr und Industrie zukunftstauglich machen

Für den Verkehrssektor setzt das Papier auf mehr Sektorenkopplung. Bidirektionales Laden für Pkw und Lkw soll dazu beitragen, die Elektromobilität wirtschaftlicher zu machen. Die E-Fahrzeuge sollen aber zugleich auch als flexible Speicher in das Energiesystem integriert werden. So lassen sich Stromspitzen besser speichern und zeitlich verschieben, insbesondere die Mittagsspitzen im Sommerhalbjahr mit hoher Solarproduktion. Für den Schwerlastverkehr sieht die Plattform den Elektro-Lkw als zentrale Zukunftstechnologie. Gerade im internationalen Wettbewerb müsse Baden-Württemberg hier schneller vorankommen. Gegenüber China besteht auch bei Elektro-Lkw bereits ein Rückstand um den Faktor zehn.

Neben Strom und Wärme spielen auch grüne Gase und Wasserstoff eine wichtige Rolle. Die Plattform fordert eine Grüngasquote sowie den Ausbau regionaler Elektrolyseure und Biomethanstrukturen. Baden-Württemberg müsse wegen seiner Randlage zum Wasserstoffkernnetz eigene Lösungen aufbauen, damit Industrie und Schwerlastverkehr rechtzeitig mit klimaschonenden Molekülen versorgt werden können.

Erneuerbare als Basis für die ökologische und soziale Marktwirtschaft

„Die erneuerbaren Energien sind die Basis einer ökologischen und sozialen Marktwirtschaft“, betont Jürgen Scheurer. Ziel müsse es sein, Baden-Württemberg bis 2040 weitgehend unabhängig von fossilen Energieimporten zu machen. Darüber werde man mit Wirtschaft, Kommunen, Verbänden und Politik offen diskutieren müssen. Entscheidend sei jetzt, die Weichen rechtzeitig zu stellen – für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und einen starken Industriestandort.

Hier geht's zum Maßnahmenpaket

 

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Resilienz und Wirtschaftskraft für Baden-Württemberg

Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und ihre Mitgliedsverbände Solar Cluster BW, Bundesverband Windenergie, Landesverband BW, Fachverband Biogas, Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke BW, Interessengemeinschaft Wasserkraft BW, Holzenergiefachverband BW und Bundesverband Geothermie haben den 15-Punkte-Plan verfasst.

15 Bausteine für die Zukunftsfähigkeit Baden-Württembergs:

Stromsektor

  1. Stabilisierung des Zubaus der Erneuerbaren Energien im Land mit einer Erzeugungsleistung von deutlich über 4.000 Megawatt pro Jahr.
  2. Synchronisation des Ausbaus der Erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau und dem Speicherausbau zur Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren, zur Senkung der Systemkosten, zur der Steigerung der Versorgungssicherheit und zur Vermeidung der Abregelung von erneuerbaren Energien-Anlagen.
  3. Bau von großen Hybridkraftwerken auf der 110-Kilovolt-Ebene aus Windparks, Solarparks, Umspannwerken und größeren Batteriespeichern zur Senkung der Kosten des Netzausbaus.
  4. Bau kleiner Hybridkraftwerke auf der 20-Kilovolt-Ebene durch Biogasanlagen oder Wasserkraftwerken in Verbindung mit PV-Anlagen, kleineren Batteriespeichern und Trafostationen zur Senkung der Kosten des Netzausbaus.
  5. Stärkung des Automobilstandorts Baden-Württemberg durch bessere Sektorenkopplung und massiven Ausbau der Elektromobilität. Einführung des bidirektionalen Ladens für PKW und LKW zur Stärkung der Lastverschiebung und zur deutlichen Senkung der Stromkosten im Bereich Elektromobilität.
  6. Stärkere Flexibilisierung der Biogasanlagen zur optimaleren Stromerzeugung.

Wärmeerzeugung

  1. Kommunikative Unterstützung des Einbaus von Wärmepumpen und Biomasseheizungen in Privathaushalten, Betrieben und Gebäuden der öffentlichen Hand.
  2. Umbauverpflichtung von Heizungen in öffentlichen Gebäuden, da diese oft als Anker für ganze Quartierskonzepte funktionieren und die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion hat.
  3. Unterstützung des Baus regenerativer Wärmnetze, vor allem überall dort, wo kommunale Wärmeplanungen solche Wärmenetze für möglich und sinnvoll halten.
  4. Finanzielle Unterstützung für Investitionen in Wärmepumpen und Biomasseheizungen aber nur dort, wo die Wärmeplanung kein Wärmenetz vorsieht, damit die Förderung effektiv ist.
  5. Förderung von Erschließungsinvestitionen in Großwärmespeicher, saisonale Wärmespeicher und Tiefengeothermie.
  6. Stärkung der Wasserkraft durch Nutzung der Triebwerkskanäle für Flussthermie in Wärmenetzen.
  7. Natürliche Wärmequellen, industrielle Abwärme und Klärwasser bergen durch Wärmerückgewinnung im dicht besiedelten Baden-Württemberg große Potenziale, die durch ein Förderprogramm gehoben werden können.

Grüne Gase

  1. Förderung des Baus und Betriebs kleiner, mittlerer und großer Elektrolyseure und der Methanisierung von Grünem H2. Einführung einer Grüngasquote mit marktlichen Anreizen für die massive Steigerung von grünem Wasserstoff im Gasnetz.
  2. Förderung der Clusterung von Biogasanlagen für mehr Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz.

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