10.06.2026 | „Gute geplante Erneuerbare Energien Projekte sind auch zukünftig wirtschaftlich in Baden-Württemberg umsetzbar“

FORUM „Infrastrukturfinanzierungen“ der Sparkassenakademie Baden-Württemberg informiert zum Stand der Erneuerbaren Energien

FORUM „Infrastrukturfinanzierungen“, © Plattform EE BW / Dimitri Vedel-Wackerhagen

FORUM „Infrastrukturfinanzierungen“, © Plattform EE BW / Dimitri Vedel-Wackerhagen

Am 9. Juni 2026 fand das FORUM „Infrastrukturfinanzierungen“ der Sparkassenakademie Baden-Württemberg statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Finanzwirtschaft, Energiebranche und Beratung kamen zusammen, um zentrale Zukunftsfragen der Energieinfrastruktur und deren Finanzierungsperspektiven zu diskutieren.

Moderne Finanzierungsmodelle sind entscheidend

Die wachsende Bedeutung moderner Finanzierungsmodelle für die Transformation der Energieinfrastruktur spielen für Sparkassen als regionale Partner, Unternehmen und Kommunen eine wichtige Rolle.

Mit Bene Müller, Vorstandvorsitzender der solarcomplex AG und Mitglied der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg, sowie Dr. Matthias Pavel, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands WindEnergie (BWE) Baden-Württemberg und Leiter Projektierung, Uhl Windkraft Projektierung GmbH & Co. KG, wurden gezielt ausgewiesene Experten aus zentralen Akteurskreisen der Energiewende als Referenten gewonnen. Ihre praxisnahe Expertise aus Branchen- und Verbandsarbeit prägte die inhaltliche Tiefe der Veranstaltung.

Energiesystem Baden-Württemberg 2040

In seinem Impulsvortrag skizzierte Bene Müller (Solarcomplex) zentrale Eckpunkte eines zukünftigen Energiesystems in Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stand die deutliche Zunahme des Strombedarfs. Diese werde insbesondere durch die fortschreitende Elektrifizierung zahlreicher Sektoren sowie die steigende Bedeutung der Wasserstoffproduktion vorangetrieben. Der Stromverbrauch der Zukunft wird signifikant über dem heutigen Niveau liegen.

Müller erläuterte zudem den energieökonomischen Ansatz, Klimaziele „rückwärts zu denken“. Ausgehend von der angestrebten Klimaneutralität werden notwendige Strommengen, Infrastruktur und Erzeugungskapazitäten abgeleitet. Dabei wurde deutlich, dass eine effiziente Systemgestaltung entscheidend ist.

Kritisch bewertete Müller die saisonale Speicherung von Strom und der Aufbau fossiler Gaskraftwerksreserven. Beides sei volkswirtschaftlich wenig sinnvoll, da sie mit hohen Kosten und Ineffizienz verbunden seien. Stattdessen plädierte er für alternative Ansätze wie den Ausbau der Netzinfrastruktur, flexible Verbrauchsmodelle und eine stärkere Kopplung von Erzeugung und Nachfrage.

Im Hinblick auf Finanzierungsperspektiven wurde die zentrale Rolle der Sparkassen hervorgehoben. Diese engagieren sich bereits in vielfältigen Bereichen wie Photovoltaik, Windenergie, Batteriespeichern, Hybridkraftwerken sowie kommunalen Energieprojekten. Zukünftig gewinnen kombinierte Lösungen – etwa aus PV, Wind und Speicher – sowie flexible Verbrauchsmodelle weiter an Bedeutung. Hierzu zählen insbesondere Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Elektrolyseure und industrielle Anwendungen.

Windenergie spielt zukünftig die entscheidende Rolle für den Industriestandort Baden-Württemberg

Dr. Matthias Pavel (Bundesverband WindEnergie) widmete sich anschließend den Perspektiven der Windkraft nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Er erläuterte die Entwicklung des Förderregimes – von festen Einspeisevergütungen bis hin zu Ausschreibungsmodellen – und unterstrich die entscheidende Rolle des EEG für den Ausbau der Windenergie.

Mit Blick auf die Zukunft wies Pavel auf derzeit bestehende Unsicherheiten hin. Insbesondere die fehlende gesetzliche Nachfolgeregelung für das EEG ab dem Jahr 2027 führe zu Zurückhaltung bei Investitionen und verzögere Projekte. Diese Unsicherheiten verursachen zusätzliche Kosten und erschweren langfristige Planungen.

Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsmodelle und Chancen: Power Purchase Agreements (PPAs), Direktvermarktung sowie ganzheitliche Projektfinanzierungen inklusive Windpark, Umspannwerk und Netzanbindung bieten attraktive Perspektiven – auch für die Sparkassen als Finanzierungspartner.

Stabilität durch erneuerbare Energien

Die Energiepreisentwicklung infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran habe gezeigt, dass ein hoher Anteil erneuerbarer Energien stabilisierend auf die Strompreise wirkt. Während Preise für fossile Energieträger wie Heizöl, Gas und Kraftstoffe deutlich steigen, blieb das Strompreisniveau dank erneuerbarer Einspeisung vergleichsweise stabil.

Baden-Württemberg verfüge über zahlreiche gut geeignete und noch nicht entwickelte Standorte für Windkraftanlagen und biete weiterhin attraktive Rahmenbedingungen für Projekte. Gut geplante Vorhaben seien auch künftig wirtschaftlich umsetzbar.

Zukunftsmarkt bietet dauerhafte Chancen

Das FORUM „Infrastrukturfinanzierungen“ zeigte, dass die Transformation des Energiesystems nicht nur eine technische, sondern in hohem Maße auch eine finanzielle Herausforderung darstellt. Für die Sparkassen ergeben sich daraus vielfältige Chancen, sich als zentrale Partner in einem wachsenden Zukunftsmarkt zu positionieren. Die Kombination aus regionaler Verankerung, Finanzierungskompetenz und Nähe zu Kommunen und Unternehmen macht sie zu wichtigen Akteuren der Energiewende.

Kontakt:

Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V.

Dimitri Vedel-Wackerhagen

Referent für Biogas und Wind
dimitri.vedel@erneuerbare-bw.de

F: 0049 711 9253619-3

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