18.09.2026 | Windausschreibung: Süden bleibt erneut weit zurück Nur 100 Megawatt für Baden-Württemberg und Bayern

Südquote jetzt unverzichtbar

 

Windkraftanlage in Lauterstein © wpd onshore GmbH

Windkraftanlage in Lauterstein © wpd onshore GmbH

Erneuerbaren-Verbände aus Baden-Württemberg und Bayern fordern Südquote in der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG)

Die am 17. September 2026 veröffentlichten Ergebnisse der Ausschreibung für Windenergie an Land sind aus Sicht der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) Bayern alarmierend. Obwohl Baden-Württemberg und Bayern mehr als ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs auf sich vereinen und für das Gelingen der Energiewende eine Schlüsselrolle spielen, entfielen auf beide Länder zusammen erneut nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung. Mit lediglich rund 100 Megawatt bleibt der Windenergieausbau im Süden Deutschlands dramatisch hinter dem Bedarf zurück. Zum Vergleich: Auf das restliche Deutschland entfielen 2.420 Megawatt – fast 25 Mal so viel. Die beiden Verbände fordern daher eine Südquote im Rahmen der EEG-Novelle.

„Diese Zahlen zeigen unmissverständlich, dass die bestehenden Ausschreibungsregeln den notwendigen Ausbau der Windenergie im Süden nicht gewährleisten. Ohne eine eigenständige Südausschreibung wird sich die Schieflage weiter verschärfen“, erklärt Dr. Ariane Lubberger vom LEE Bayern. „Wer die Energiewende, den Kohleausstieg und eine sichere Stromversorgung für Industrie und Bürger ernst meint, muss jetzt handeln.“

Der anhaltend unzureichende Ausbau der Windenergie in Süddeutschland hat weitreichende Folgen. Während der Stromverbrauch insbesondere in den industriestarken Ländern Bayern und Baden-Württemberg hoch bleibt und weiter steigt, entstehen neue Windkraftkapazitäten überwiegend im Norden Deutschlands. Die Folge sind immer größere Stromtransporte über weite Entfernungen, eine zunehmende Belastung der Stromnetze und steigende Kosten für Eingriffe in den Netzbetrieb.

Ausbau im Süden wird ausgebremst

Derweil zeigt eine Studie im Auftrag der beiden Verbände vom März 2026, dass ein stärkerer Windausbau im Süden diese sogenannten Redispatchkosten jedes Jahr um bis zu 1,8 Milliarden Euro senken könnte. Diese Kosten werden letztlich von Unternehmen und Verbrauchern getragen. Gerade steigende Endkundenpreise möchte die Bundesregierung tunlichst verhindern; ein ambitionierter Ausbau der Windkraft würde hier gezielt entgegensteuern. Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass der Süden Deutschlands auch künftig stärker von Stromimporten abhängig bleibt und die Versorgung der energieintensiven Wirtschaft unnötig verteuert wird.

„Wer den Ausbau der Windenergie im Süden weiter ausbremst, gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Energiewende, sondern verursacht auch vermeidbare Kosten in Milliardenhöhe“, betont Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg. „Deutschland kann es sich weder energiewirtschaftlich noch volkswirtschaftlich leisten, die Stromerzeugung dauerhaft von den Verbrauchsschwerpunkten im Süden abzukoppeln.“

Südquote energiepolitische Notwendigkeit

Die beiden Verbände fordern deshalb den Deutschen Bundestag auf, die Empfehlungen des Bundesrates aufzugreifen und im Rahmen des EEG 2027 eine wirksame Südquote einzuführen sowie die Rahmenbedingungen des Referenzertragsmodells zu verbessern. Nur so kann der Windenergieausbau endlich dort stattfinden, wo der Strom benötigt wird.

„Die heutigen Ausschreibungsergebnisse sind ein Warnsignal. Wenn der Süden erneut leer ausgeht, werden die Probleme von morgen schon heute programmiert: höhere Netzkosten, mehr Stromimporte, geringere Versorgungssicherheit und ein stockender Klimaschutz. Eine Südquote ist deshalb keine regionale Forderung, sondern eine energiepolitische Notwendigkeit für ganz Deutschland“, so Lubberger und Dürr-Pucher abschließend.

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