23.04.2026 | Windenergie: 10.000 Megawatt für Baden-Württemberg und Bayern

Bündnis verlangt faire Ausschreibungsregeln für den Windkraftausbau im Süden

Ein Bündnis in Baden-Württemberg verlangt faire Ausschreibungsregeln für den  Windkraftausbau im Süden © BWE / Sandra Majer

Ein Bündnis in Baden-Württemberg verlangt faire Ausschreibungsregeln für den Windkraftausbau im Süden © BWE / Sandra Majer

Windparks in Süddeutschland haben bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur derzeit das Nachsehen. Zuschläge für die Vergütung bekommen in der Regel nur nord- und ostdeutsche Windenergievorhaben. Ein breites Bündnis aus Baden-Württemberg fordert nun, die Ausschreibungsregeln zugunsten süddeutscher Bundesländer anzupassen. Ein Ausschreibungsvolumen in Höhe von insgesamt rund 10.000 Megawatt sollte in diesem und den kommenden zwei Jahren für den Süden reserviert werden. Darüber hinaus müsse das Volumen insgesamt angehoben werden. Zu dem Bündnis gehören neben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) der Verband Unternehmer Baden Württemberg, der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW), der Verband Kommunaler Unternehmen Baden-Württemberg (VKU BW) und die Naturschutzverbände BUND und NABU.

Zum gemeinsamen Appell an die neue Landesregierung und die Bundesregierung.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg kommt in eine entscheidende Phase. Die Regionalpläne treten in diesem Jahr in Kraft und die Windbranche hat Genehmigungsanträge für mehr als 1.000 Windenergieanlagen bei den Landratsämtern eingereicht. Damit diese gebaut werden können, brauchen sie nach der Genehmigung Zuschläge in den bundesweiten Ausschreibungen der Bundesnetzagentur.

Von den Ausschreibungen profitiert der Süden nicht – das muss sich ändern

Zuletzt waren die Ausschreibungen deutlich überzeichnet, es gab kaum Zuschläge für Windparks in Süddeutschland. Auch die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung des Ausschreibungsvolumens für die kommenden Jahr wird an dieser Situation nichts ändern. Die heutigen Ausschreibungsregeln führen trotz des Referenzertragsmodells, das windschwache Standorte begünstigt, nicht zu einem ausgewogenen Ausbau.

Die Folge: Die süddeutschen Potenziale bleiben weitgehend ungenutzt. Die in dem Bündnis zusammengeschlossenen Verbände fordern daher, dass die Ausschreibungsregeln anders gestaltet werden. Zwar solle weiterhin ein großer Teil der Windparks im windreichen Norden entstehen, der Süden Deutschlands müsse aber in die Lage versetzt werden, einen angemessenen Beitrag zum bundesweiten Windenergieausbau zu leisten. Konkret schlägt das Bündnis gesonderte Ausschreibungssegmente vor, an denen sich nur Projekte aus den südlichen Bundesländern beteiligen können.

Forderung: 10.000 Megawatt Windenergie für den Süden

Von dem gesamten Ausschreibungsvolumen sollte in diesem und den kommenden zwei Jahren insgesamt 10.000 Megawatt an Windenergieleistung in Süddeutschland ausgeschrieben werden. Das sind rund 20 Prozent der zu erwarteten Ausschreibungszuschläge. Darüber hinaus plädieren die Verbände für eine Anhebung der Ausschreibungsvolumina auch für die Folgejahre. Dadurch werde ein wertvoller Beitrag zur regionalen Wertschöpfung geleistet, die Industrie in Süddeutschland erhalte endlich die dringend benötigten Strommengen für Ihre Produktionsstandorte. Zudem könne es so besser gelingen, im Jahr 2030 die Klimaschutzziele in Baden-Württemberg und Deutschland zu erreichen. Auch würden die Redispatchkosten sinken.

Eine kürzlich veröffentlichte gemeinsame Studie der Plattform Erneuerbare Energien Baden Württemberg und des Landesverbandes Erneuerbare Energien Bayern zur Entwicklung der Redispatchkosten hat kürzlich einen fachlichen Anstoß gegeben, den die Landesregierungen der beiden Südländer im Bundesrat erfolgreich aufgegriffen haben. Die Einigung in der Bundesregierung zum verstärkten Ausbau der Windenergie an Land schafft die Voraussetzungen für diesen notwendigen Durchbruch, in den kommenden Jahren mehr als 10.000 Megawatt Windenergie in Süddeutschland zu errichten. Jetzt muss der Bundesrat bei der Verabschiedung der EEG-Novelle handeln, um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes in ganz Deutschland zu sichern.

Bis 2040: 30 Terawattstunden Wind pro Jahr nötig

Um in den zuletzt regelmäßig auftretenden Energiekrisen widerstandsfähiger zu sein, muss Baden-Württemberg die Elektrifizierung der Sektoren Wärme und Mobilität beschleunigen. Die Anteile von Kohle und fossilem Gas an der Stromerzeugung müssen weiter sinken. Die Erfolge beim Photovoltaikzubau machen Mut, dass auch die Windenergie in den kommenden Jahren zulegen kann. Studien zeigen, dass bis zum Jahr 2040 rund 30 Terawattstunden Windstrom im Land benötigt werden. Das kann gelingen, wenn bis dahin etwa 2.500 bis 3.000 moderne Windenergieanlagen im Land Strom produzieren. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber erreichbar – und angesichts der aktuellen geopolitischen Lage dringlicher denn je. 

Seit Beginn des militärischen Konflikts am Persischen Golf und der Blockade der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Handels fließt, ist die internationale Energieversorgung massiv unter Druck geraten. Dies führt zu Preissteigerungen bei Öl und Gas. Regenerative Energien aus dem heimatlichen Baden Württemberg geben Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in dieser kritischen Lage mehr Freiheit. Analysten erwarten bei zunehmender Dauer weitere Rekordpreise. Die Ölpreisentwicklung und globale Lieferkettenstörungen, z.B. bei Grundstoffen für die chemische Industrie, haben unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft im Südwesten und die Versorgungssicherheit.

Erneuerbare Energien sind inzwischen unverzichtbarer Standortfaktor

Die aktuelle Situation zeigt daher mit großer Klarheit, dass der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien in ganz Deutschland zu einem strategischen Standortfaktor geworden ist. Es geht nicht nur um die Kosten von Energie und Rohstoffen, es geht längst um die Verfügbarkeit. Diese Entwicklungen machen deutlich, dass Deutschland und Europa ihre Energieabhängigkeiten rasch und umfassend reduzieren müssen. Viele Solarparks entstehen im sonnenreichen Süden Deutschlands. Für ein stabiles Energiesystem ist es noch wichtiger, dass im Norden der Republik ebenfalls Solarparks gebaut werden. Viele Windparks entstehen im windreichen Norden Deutschlands, die für das Energiesystem wichtigeren müssen im Süden gebaut werden.

„Für Baden-Württemberg liegt ein Schlüssel zu mehr Energieunabhängigkeit für Wirtschaft und Gesellschaft im konsequenten Ausbau der Windenergie. Mehr als 1.000 Windenergieanlagen sind im letzten Jahr vor dem 30. Juni zur Genehmigung eingereicht worden. Die müssen jetzt gebaut werden“, erklärt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg.

Erneuerbare Energien als vorrangiger Belang

Das EEG 2023 stellt klar: Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien liegen im „überragenden öffentlichen Interesse“ und dienen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. Bis die Stromerzeugung nahezu treibhausgasneutral ist, sind erneuerbare Energien als vorrangiger Belang zu behandeln – selbstverständlich auch in Baden-Württemberg.

Der Ausbau muss jedoch nicht nur schnell, sondern qualitätsorientiert erfolgen. Die Kosten der Energieerzeugung sind wichtig, doch entscheidend sind die Kosten des gesamten Systems. Die aktuelle Studie der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) „Windenergie im Süden: Systemische Einsparungen durch vermiedene Redispatch‑Kosten“ vom März 2026 zeigt, dass ein stärkerer, regional ausgewogener Ausbau im Süden systemweite Einsparungen ermöglicht. Ein konzentrierter Ausbau der Windenergie in Süddeutschland reduziert die Redispatchkosten um bis zu 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Redispatchvorbehalt, wie er dem Bundeswirtschaftsministerium vorschwebt, um die Kosten zu senken, sei daher der falsche Weg. Mehr Windenergie im Süden würde zudem den Bedarf an kostenintensivem Nord‑Süd‑Netzausbau senken, weil weniger große Strommengen über lange Distanzen transportiert werden müssten.

„Jede zusätzliche Windenergieanlage im Süden leistet nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch einen systemstabilisierenden Beitrag. Vor diesem Hintergrund wird klar: Baden Württemberg muss den Ausbau der Windenergie im Dialog mit der Windbranche und der Gesellschaft so gestalten, dass er zügig erfolgt, den Wirtschaftsstandort stärkt und Akzeptanz in der Bevölkerung findet“, erklärt Jürgen Scheurer.

Das ist eine wichtige Aufgabe für die zukünftige Landesregierung in Baden-Württemberg, die Hand in Hand mit Bayern und in enger Abstimmung mit den Partnern in der Mitte und im Norden Deutschlands zeigen kann, dass sie gewillt ist, die notwendige Transformation entschlossen voranzutreiben – für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und eine starke, von teuren Energieimporten unabhängige Wirtschaft in Baden-Württemberg und ganz Deutschland. 

Download der Presseinformation als PDF.

Zurück
X

Wir verwenden Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige sind notwendig, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern.

Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten. Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern.

Einstellungen Akzeptieren AblehnenImpressumDatenschutz